Kurzfazit zum heurigen Weltwirtschaftsforum
Das diesjährige World Economic Forum in Davos stand ganz im Zeichen eines spürbaren globalen Übergangs. Unter dem Leitthema „A Spirit of Dialogue“ kamen in der vergangenen Woche politische Entscheidungsträger:innen, Unternehmenslenker:innen und Expert:innen aus aller Welt zusammen. Der Grundton war dabei weniger von großen Zukunftsversprechen geprägt als von der gemeinsamen Suche nach Stabilität, Verlässlichkeit und Orientierung in einer zunehmend komplexen Weltwirtschaft.
Geopolitik: Wirtschaft braucht stabile Spielregeln
In vielen Diskussionen wurde deutlich, dass sich die geopolitischen Rahmenbedingungen weiter verschärfen. Internationale Beziehungen sind fragiler geworden, wirtschaftspolitische Entscheidungen werden wieder stärker national gedacht. Für eine offene, exportorientierte Volkswirtschaft wie Österreich hat diese Entwicklung unmittelbare Konsequenzen. Planbare Regeln, verlässliche Handelspartner und offene Märkte sind keine Selbstverständlichkeit mehr, sondern müssen aktiv verteidigt werden. Aus Sicht der Wirtschaft wurde in Davos klar betont, dass Stabilität in den politischen Rahmenbedingungen eine zentrale Voraussetzung für Investitionen, Innovation und Beschäftigung ist.
Künstliche Intelligenz: Wettbewerbsfaktor mit Verantwortung
Ein inhaltlicher Schwerpunkt des Forums lag auf der Künstlichen Intelligenz. Der Diskurs hat sich dabei spürbar weiterentwickelt: Nicht mehr das bloße Potenzial stand im Vordergrund, sondern die konkrete Umsetzung in Unternehmen. KI wird zunehmend als entscheidender Wettbewerbsfaktor gesehen – allerdings nur dort, wo sie strategisch eingebettet ist und von qualifizierten Mitarbeiter:innen getragen wird. Gleichzeitig wurde intensiv über die Auswirkungen auf Arbeitsmarkt und Qualifikationsanforderungen diskutiert. Einigkeit herrschte darüber, dass Bildung, Weiterbildung und lebenslanges Lernen zentrale Voraussetzungen sind, um technologische Innovationen nachhaltig nutzbar zu machen.
Wachstum und Investitionen: Standortpolitik rückt in den Fokus
Eng damit verbunden war die Debatte über Wachstum, Investitionen und Standortqualität. In Davos wurde mehrfach betont, dass wirtschaftliche Dynamik nur dann dauerhaft trägt, wenn sie mit sozialer Stabilität einhergeht. Investitionen in Infrastruktur, Innovation und Qualifikation gelten als Schlüsselfaktoren, um Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und zugleich gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. Für Interessenvertretungen der Wirtschaft ergibt sich daraus ein klarer Auftrag: verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen, die unternehmerisches Handeln ermöglichen und langfristige Planungssicherheit bieten.
Handel und Wertschöpfung: Resilienz statt Abschottung
Auch der internationale Handel war ein zentrales Thema. Zunehmende protektionistische Tendenzen, neue regulatorische Anforderungen und geopolitische Spannungen stellen globale Lieferketten vor Herausforderungen. In Davos wurde jedoch deutlich, dass Abschottung keine nachhaltige Antwort ist. Vielmehr setzen Unternehmen verstärkt auf Diversifizierung, Resilienz und strategische Partnerschaften. Gerade für kleine und mittlere Betriebe bleibt ein offenes, regelbasiertes Handelssystem entscheidend, um neue Märkte zu erschließen und Innovationen erfolgreich zu skalieren.
Fazit: Klare Signale für die wirtschaftspolitische Interessenvertretung
Das WEF 2026 war weniger ein Ort spektakulärer Ankündigungen als vielmehr eine nüchterne Standortbestimmung. Die kommenden Jahre werden von tiefgreifenden Veränderungen geprägt sein, die Wirtschaft, Politik und Gesellschaft gleichermaßen fordern. Für den Wirtschaftsbund lassen sich daraus klare Leitlinien ableiten: Wettbewerbsfähigkeit stärken, technologische Innovation verantwortungsvoll nutzen, Qualifikation fördern und offene Wirtschaftsstrukturen verteidigen. Davos hat damit einmal mehr gezeigt, dass wirtschaftspolitische Interessenvertretung heute strategischer, internationaler und vorausschauender gedacht werden muss.