Nach mehr als 25 Jahren Verhandlungen ist das EU-Mercosur-Abkommen politisch beschlossen worden. Der Schritt kam nicht überraschend, sondern war das Ergebnis gezielter Nachschärfungen und eines realistischen Blicks auf die wirtschaftlichen und geopolitischen Rahmenbedingungen Europas. Für die Steiermark ist diese Entscheidung besonders relevant, weil hier industrielle Exportstärke und kleinstrukturierte Landwirtschaft gleichermaßen das Fundament des Wohlstands bilden.
Europa steht unter Druck, seine wirtschaftliche Handlungsfähigkeit zu sichern. Neue Handelsbarrieren, unsichere Lieferketten und globale Machtverschiebungen treffen exportorientierte Regionen besonders stark. Das Mercosur-Abkommen ist Teil der europäischen Antwort darauf: Es öffnet Märkte in Südamerika, baut hohe Zölle ab und stärkt Europas Position in einem zunehmend fragmentierten Welthandel.
Dass das Abkommen nun zustande kam, liegt wesentlich daran, dass berechtigte Sorgen ernst genommen wurden. Gerade die Landwirtschaft wurde nicht übergangen, sondern gezielt abgesichert. Für sensible Produkte gelten weiterhin strenge Importbegrenzungen, ergänzt durch Schutz- und Notfallklauseln bei Marktverwerfungen. Zusätzlich wurden noch vor der Entscheidung Mittel aus der Gemeinsamen Agrarpolitik früher verfügbar gemacht und Kriseninstrumente zugesagt. Diese Kombination aus Marktöffnung und Absicherung war Voraussetzung für die politische Einigung.
Für die Steiermark ist dabei entscheidend, dass ihre wirtschaftliche Realität ganzheitlich betrachtet wird. Der wirtschaftliche Kern des Landes – Maschinen- und Anlagenbau, Fahrzeug- und Zulieferindustrie sowie Metallverarbeitung – lebt vom Export. Hohe Zölle in Südamerika bremsen bislang gerade jene Betriebe, die tausende Arbeitsplätze sichern und Wertschöpfung im Land halten. Der Abbau dieser Hürden eröffnet neue Chancen in einem wachsenden Markt und stärkt den Standort nachhaltig.
Gleichzeitig ist die Steiermark ein Agrarland mit starker regionaler Verwurzelung. Landwirtschaft ist hier nicht nur Wirtschaft, sondern Teil von Kulturlandschaft, Tourismus und ländlichem Zusammenhalt. Genau deshalb wurden Schutzmechanismen verankert und finanzielle Sicherungen vorgesehen. Sie sollen gewährleisten, dass bäuerliche Betriebe nicht unter unfairen Wettbewerbsdruck geraten, sondern Zeit, Stabilität und Planungssicherheit erhalten. Wer diese Zusammenhänge vertieft nachlesen möchte, findet im ausführlichen Standpunkt Steiermark zum Mercosur-Abkommen eine detaillierte Einordnung der Chancen, Risiken und regionalen Auswirkungen.
Auch für die Landwirtschaft bietet das Abkommen Perspektiven. Der Zugang zu neuen Märkten für hochwertige europäische Produkte wird erleichtert, regionale Spezialitäten werden besser geschützt. Entscheidend wird sein, dass Kontrollen, Standards und Herkunftskennzeichnung konsequent umgesetzt werden – daran wird sich der Erfolg messen lassen.
Für die Steiermark geht es damit nicht um ein Entweder-oder. Es geht um das Zusammenspiel von Industrie und Landwirtschaft, von Exportstärke und regionaler Verantwortung. Wirtschaftspolitik mit Augenmaß heißt, beides mitzudenken und nicht gegeneinander auszuspielen.
Der Wirtschaftsbund Steiermark steht für genau diesen Ansatz. Offene Märkte sind für ein Exportland wie die Steiermark unverzichtbar. Gleichzeitig braucht Freihandel klare Leitplanken und eine starke Absicherung jener Betriebe, die täglich höchste Standards erfüllen. Mercosur ist kein Bruch mit diesem Anspruch, sondern ein Versuch, ihn unter veränderten globalen Bedingungen verantwortungsvoll umzusetzen.