Die finanzielle Lage der Stadt Graz ist ernst. Mit einem Schuldenstand von rund zwei Milliarden Euro steht die Landeshauptstadt vor großen Herausforderungen. Für den Wirtschaftsbund Graz ist deshalb klar: Konsolidierung und Ausgabendisziplin sind notwendig. Gleichzeitig darf die Stadt nicht dort sparen, wo Arbeitsplätze, Investitionen und neue Einnahmen entstehen.
Der konsolidierte Nettofinanzschuldenstand der Stadt Graz lag 2021 noch bei rund 1,595 Milliarden Euro. Bis 2025 stieg dieser Wert auf rund 1,927 Milliarden Euro an. Für 2026 wird bereits ein Schuldenstand von über zwei Milliarden Euro prognostiziert. Diese Entwicklung zeigt deutlich, dass strukturelle Reformen und klare Prioritäten notwendig sind.
Wirtschaft ist Teil der Lösung
Eine nachhaltige Sanierung der Stadtfinanzen kann jedoch nicht allein durch Sparmaßnahmen gelingen. Graz braucht gleichzeitig einen klaren Wachstumsplan. Die zentrale Frage lautet: Wie können mehr Betriebe angesiedelt, neue Arbeitsplätze geschaffen und zusätzliche Einnahmen für die Stadt generiert werden?Die Kommunalsteuer zählt mit rund 190,8 Millionen Euro zu den wichtigsten Einnahmequellen der Stadt Graz. Gleichzeitig ist Graz das wirtschaftliche Zentrum der Steiermark. Rund 203.000 Beschäftigte arbeiten in der Stadt, zusätzlich pendeln täglich mehr als 112.000 Menschen nach Graz ein. Im Großraum Graz werden rund 46 Prozent der gesamten steirischen Wirtschaftsleistung erwirtschaftet.Wer Investitionen erschwert, Betriebsansiedelungen bremst oder die Standortentwicklung vernachlässigt, schwächt langfristig auch die finanzielle Basis der Stadt. Eine starke Wirtschaft sorgt für Beschäftigung, Wertschöpfung und zusätzliche Einnahmen.
Weniger Bürokratie, mehr Unternehmertum
Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten braucht es Rahmenbedingungen, die Unternehmen unterstützen statt behindern. Viele notwendige Maßnahmen würden die Stadt keinen zusätzlichen Euro kosten.Dazu gehören raschere Genehmigungsverfahren, weniger bürokratische Hürden und mehr unternehmerische Freiräume. Positiv bewertet der Wirtschaftsbund Graz die geplante Einführung eines One-Stop-Shops für Veranstaltungsgenehmigungen. Solche Maßnahmen können Verfahren vereinfachen und die Verwaltung serviceorientierter gestalten.Weitere Potenziale bestehen beispielsweise bei der Vereinfachung von Gastgartenregelungen oder bei einer Anpassung der Sperrstundenregelung an das Niveau anderer österreichischer Landeshauptstädte. Mehr Frequenz, mehr Umsätze und zusätzliche Investitionen stärken Innenstadt, Gastronomie und Tourismus und führen letztlich auch zu höheren Einnahmen für die Stadt.
Fachkräfte sind kein Sparposten
Kritisch sieht der Wirtschaftsbund Graz die jüngsten Aussagen von Bürgermeisterin Elke Kahr zum Center of Excellence der WKO Steiermark. Dabei handelt es sich um eines der bedeutendsten Bildungs- und Qualifizierungsprojekte des Landes.Das Center of Excellence bildet die Fachkräfte von morgen aus und schafft moderne Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten in Bereichen wie Schweißtechnik, Elektrotechnik, Mechatronik, Energie- und Gebäudetechnik, Mobilitätstechnik, Metalltechnik sowie Gastronomie. Genau diese Qualifikationen benötigen die Grazer Betriebe angesichts des anhaltenden Fachkräftemangels, der technologischen Transformation und des zunehmenden Wettbewerbsdrucks.Die Gesamtinvestition von mehr als 70 Millionen Euro stärkt den Wirtschaftsstandort Graz nachhaltig. Sie schafft moderne Bildungsinfrastruktur und unterstützt Betriebe dabei, jenes Fachpersonal auszubilden, das für zukünftiges Wachstum notwendig ist.
Investitionen in Ausbildung sichern die Zukunft
Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels sind Investitionen in Bildung und Qualifikation keine Nebensache, sondern eine zentrale Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit, Innovation und Beschäftigung.
Wer bei Aus- und Weiterbildung spart, gefährdet langfristig die wirtschaftliche Entwicklung einer Region. Graz braucht qualifizierte Fachkräfte, erfolgreiche Lehrbetriebe und attraktive Karriereperspektiven, um auch künftig ein starker Wirtschaftsstandort zu bleiben.
Graz muss sich aus der Krise herauswirtschaften
Die Position des Wirtschaftsbundes Graz ist daher eindeutig: Ja zu einer ehrlichen Konsolidierung. Ja zu Strukturreformen. Ja zu klaren Prioritäten.
Ein klares Nein gibt es jedoch zum Kaputtsparen des Wirtschaftsstandorts. Graz wird die finanziellen Herausforderungen nicht allein durch Kürzungen bewältigen können. Die Stadt muss gleichzeitig jene Rahmenbedingungen schaffen, die Investitionen ermöglichen, Unternehmen stärken und neue Arbeitsplätze schaffen.
Denn nur eine starke Wirtschaft kann langfristig die sozialen Leistungen, die Infrastruktur und die Lebensqualität finanzieren, die Graz braucht.